Leopard, Gepard, Puma und Marder
Die schon seit Monaten vor sich hin köchelnde Debatte um die Lieferung von schweren Kampfpanzern “Leopard-2” aus Deutschland an die Streitkräfte der Ukraine wirft gegenwärtig neue Blasen. So hat sich kürzlich die EU-Kommissionspräsidentin und ehemalige deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen dafür ausgesprochen; auch Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) schloß eine Lieferung nicht aus. Die Bundesregierung erteilte solchem Ansinnen jedoch erst kürzlich über ihren Pressesprecher eine Absage.
Diese Debatte hat manche Aspekte, fast alle kommen in gewisser Regelmäßigkeit zur Sprache – bis auf einen, und der hat es in sich! So wundert sich der wache Beobachter sehr, daß eine der dunkelsten Seiten der westlichen Welt, die ansonsten in allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen angeklagt wird, gerade hier gänzlich unerwähnt bleibt – die kulturelle Aneignung!
Denn wie heißt das schwere Kriegsgerät, das bereits geliefert wurde, vielleicht noch geliefert wird oder vielleicht auch nicht? Es heißt Gepard, Leopard, Puma, Marder – und hat irgendjemand jene Tiere jemals gefragt, ob sie ihre Namen für einen solchen Zweck hergeben wollen? Haben die Tiere irgendetwas von dieser Aneignung? Wie muß sich ein Gepard fühlen, wenn er morgens irgendwo in Afrika auf seiner gewohnten Schirmakazie die Zeitung aufschlägt und lesen muß, daß in einem fernen Land sein Name derartig mißbraucht wird?
Im Gestern oder Vorgestern steckengebliebene Kleingeister werden nun sicher einwenden, daß es sich nicht wirklich um kulturelle Aneignung handelt, weil es ja Tiere sind, um die es hier geht. Doch wer sind wir, Tieren eine eigene Kultur abzusprechen? Es ist schlimm genug, einem Marder das zu verweigern, viel schwerer wiegt es, das dem im globalen Süden heimischen Leoparden oder Geparden nicht zugestehen zu wollen.
Bei all dem verwundert es schon sehr, daß eine Regierung, die nicht müde wird, sich als “Fortschritts-Koalition” zu bezeichnen, keinerlei Anstrengungen unternimmt, jene zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit endlich zu bekämpfen. Möglichkeiten gäbe es ja so einige.
So kam vor einigen Monaten die Idee auf, daß jeder Hersteller, der das Fellmuster eines Leoparden auf seine Produkte druckt, von seinen Gewinnen eine gewisse Summe für den Schutz jener Tiere abgeben sollte. Diese Idee hat etwas für sich. Man mag sich streiten, was für einen Leoparden schwerer wiegt: als Zankapfel durch die Flure aller möglichen Regierungsgebäude zur rollen oder die Peinlichkeit, das eigenen Muster auf Polyester-Kunstfelljacken, chinesischen Handtaschen oder XXL-Leggins wiederzufinden – Entschädigung hat er in jedem Fall verdient.
Da die gegenwärtige Bundesministerin für Verteidigung, Christine Lampbrecht (SPD) im Moment ja ohnehin nicht viel mit dem Sondervermögen der Bundeswehr anzufangen scheint, könnte man von diesen 100 Milliarden doch ein paar Milliönchen für Marder, Puma, Gepard und Kollegen abzweigen. Es ist allerdings zu bezweifeln, daß die Opposition dem zustimmen würde. Möglicherweise wäre die AfD noch bereit, den Marder finanziell zu unterstützen, immerhin handelt bei der einen wie dem anderen um einheimische Nager, die CDU aber wird sich in dieser Sache niemals auf irgendetwas einlassen.
Als einfachste Lösung könnte man das Kriegsgerät natürlich umbenennen. Es wundert den Beobachter ohnehin, daß die selbsternannte Fortschritts-Koalition sich das bisher hat entgehen lassen. Die liebevolle Benennung von Gesetzen, das “Gute-Kita-Gesetz” zum Beispiel, oder der Eifer, mit dem eine gerechte Sprache geschaffen werden soll, zeugt doch von einem schon fast magischen Glauben an die Macht der Worte – und wie kann man es sich dann entgehen lassen, solche mächtigen Maschinen nicht nur in den Kriegsdienst, sondern auch in den Sprachdienst für die große Sache zu stellen?
So könnten Marder, Puma, Dachs und Gepard doch wunderbar Agnes, Annalena, Robert oder Christian heißen – wer genau welchen Panzer bekommt, müßte in der Koalition natürlich noch ausgehandelt werden. Von vornherein fest stünde allerdings, wer den mächtigsten von allen erhält, den Leopard-2: Olaf Scholz (SPD) natürlich!
Allerdings müßte die Nomenklatur geändert und die “2” weggelassen werden, denn “Olaf-Scholz-2” klingt schon fast nach dynastischen Bestrebungen und würde außerdem die Frage aufwerfen, wer “Olaf-Scholz-1” gewesen ist? Gerhard Schröder, Helmut Schmidt, Willi Brandt? Das paßt alles nicht so recht, am ehesten noch Angela Merkel.