Die Packen das an …

Gegenwärtig ist das Wetter ja noch ganz gut, doch es mehren sich die Stimmen, die vehement davor warnen, daß in den kommenden Wochen und Monaten eine Verschlechterung unausweichlich ist. Gewerkschaften, Kirchen, Wohlfahrts- und allerhand andere Verbände warnen davor, daß unter grauem Himmel und Nieselregen nicht nur die Schwächsten der Gesellschaft leiden werden, sondern Auswirkungen bis in die Mitte der Gesellschaft zu erwarten sind.

Psychologen befürchten das Schlimmste, mittlerweile sei eine starke Zunahme verschiedener meteorologisch konnotierter prätraumatischer Belastungsstörungen zu verzeichnen. Bekannte Fernsehphilosophen, Publizisten und Schriftsteller halten eine fortschreitende, herbstbedingte Spaltung der Gesellschaft für unausweichlich, werden nach eigenem Bekunden allerdings dafür ausgegrenzt, die Wahrheit zu sagen – schon wieder.

Vertreter aus den östlichen Bundesländern beklagen bereits jetzt, daß sich in der absehbaren Krise die leider immer noch bestehenden Gräben zwischen Ost und West weiter vertiefen werden, ist das Wetter im Osten doch ohnehin immer schon viel schlechter als im Westen, woran mehr dreißig Jahre deutscher Einheit auch nichts geändert haben. Da die Montagsdemonstrationen schon verschiedentlich belegt sind, werden die ersten Dienstagsdemonstrationen in der nächsten Woche erwartet, zunächst im Osterzgebirge.

Sie alle fordern alles Mögliche – und die Bundesregierung reagiert!

So hat der Bundeskanzler (SPD) angekündigt, sehr bald schon ein milliardenschweres Paket “auf den Wech zu bringen”. Zwar sei die Eintrübung des Wetters zu einem großen Teil der normalen Abfolge der Jahreszeiten zu verdanken, doch trotzdem wolle man die Bürgerinnen und Bürger nicht allein im Nieselregen stehen lassen. Jeder und jedem solle entschlossen und vor allem unbürokratisch geholfen werden, und zwar mit dem “Respekt-Wetter 4.0”.

Wie viele Milliarden dafür zur Verfügung gestellt werden, ist noch nicht ganz klar, aber es wird mit Sicherheit ein Triple-Rums geben – plus Extra Bums! Und was genau in jenem Paket enthalten sein soll, steht ebenfalls noch nicht fest, jedenfalls aber ein Schutzschirm, ein Deckel und eine Bremse. Die Details müssen noch mit den Koalitionspartnern abgestimmt werden, doch dank der super-duper Zusammenarbeit innerhalb der Koalition sollte das kein Problem sein.

Zwar sind von einigen Koalitionären auch kritischen Stimmen zu hören (es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung etc.), doch die Parteiführungen stehen hinter dem Vorhaben. So führte die Außenministerin (Grüne) in einer für ihre Originalität gerühmten Rede aus, wie sehr sich ihre Kinder über immer gutes Wetter freuen würden und ebenso die Frauen und Mädchen aus der Ukraine. Der Finanzminister wies in einer Grundsatzrede darauf hin, daß die Freien Demokraten das Blau des Himmels und das Gelb der Sonne nicht nur ihren liberalen Herzen, sondern auch in den Parteifarben trügen.

Und die Opposition? Zwar warnte der Vorsitzende der größten Oppositionspartei erst kürzlich vor “Schönwettertouristen”, nahm diese Formulierung aber später zurück und signalisierte Zustimmungsbereitschaft. Führenden Vertretern von “Die Linke” geht das alles nicht weit genug und was die Finanzierung angeht, so müssten das auf jeden Fall die Reichen und Superreichen mit einer extra Wettersteuer bezahlen – immerhin seien sie auch die Hauptnutznießer schönen Wetters, mit ihren Swimmingpools und Cabrios! Einzig die AfD stellt sich quer und hält alles für ein perfides Manöver, um von den wahren Schuldigen abzulenken, die da wahlweise wären: die Flüchtlinge, der Euro, Bill Gates oder der Mann im Mond.

Kurzum, nach der mit Bravour gemeisterten Zeitenwende kommt nun die nächste große Wende, die Wetterwende – und auch wenn sich sonst nichts tut, so wird immerhin das Dictum Mark Twains widerlegt, der einst schrieb: Alle schimpfen über das Wetter, aber niemand unternimmt etwas dagegen.